Es war eine großartige Veranstaltung in den Räumlichkeiten des Städtetags NRW in Köln. Das dreitägige Event wurde gemeinsam von Engagement Global gGmbH, der Servicestelle Kommunen in der einen Welt (SKEW), dem Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) und dem Städtetag NRW organisiert.

In diesem Fall kann man sagen, dass viele Köche den Brei nicht verderben. 40 Teilnehmer:innen aus Ghana, Malawi, Südafrika und Deutschland diskutierten hier engagiert über aktuelle Herausforderungen für lokale Regierungen. Es lässt sich bereits jetzt feststellen, dass die Unterschiede bei der Bewältigung von Problemen zwischen schwarz-afrikanischen und deutschen Gemeinden bei Weitem nicht so deutlich sind, wie gemeinhin angenommen.


Unter dem Titel „Councillors‘ Roundtable: Local Leadership in Challenging Times” widmeten wir uns insbesondere den Themen Wirtschaft, Digitalisierung und Klimawandel. Die Behandlung dieser Themen auf lokaler Ebene hängt selbstverständlich von den Kompetenzen und Gestaltungsmöglichkeiten der jeweiligen Kommunen im Staatsgefüge ab. So sind die Kompetenzen beispielsweise in Südafrika eher zentralisiert gebündelt, was den Spielraum kommunaler Handlungsoptionen einschränkt. Das deutsche Modell setzt dagegen auf dezentrale Strukturen mit allen Vor- und Nachteilen, die dies mit sich bringt.
Am zweiten Tag stand das Thema „Nature Based Solutions (NBS)” im Mittelpunkt. Andrea Fischer-Hotzel vom Deutschen Institut für Urbanistik führte in das Thema ein und gab einen kurzen Überblick über den Stand der Anwendungen. NBS wurde in den letzten Jahren von politischer Seite stark gehypt, obwohl es im Spektrum der Risikobereiche und Klimaanpassungsmaßnahmen nur einen verhältnismäßig kleinen Raum einnimmt.
NBS sind langfristige Maßnahmen der Stadtplanung, die sich im Gegensatz zu vielen anderen Herausforderungen jedoch viel leichter realisieren lassen. Außerdem sind sie schön anzusehen, sodass sich Politiker:innen gerne damit fotografieren lassen. In Deutschland treffen sie auf einen starken Resonanzboden, da die Deutschen historisch ohnehin ein romantisch-sentimentales Verhältnis zur Natur pflegen. Technische Lösungen sind dagegen weniger beliebt. Dabei wird gerne vergessen, dass auch NBS ihre Tücken haben. Zum einen ist auffällig, dass es fast nie über Pilotprojekte hinausgeht, denn für eine Skalierung oder einen flächendeckenden Rollout fehlen Geld und Fläche.
Andererseits ist allein der Erhalt der bestehenden Grünstrukturen in Deutschland schon sehr kostenintensiv: In Düsseldorf beispielsweise kostet die Pflanzung oder Sanierung eines Straßenbaums im Schnitt 5.000 Euro. In der Fußgängerzone der Münchner Innenstadt sind es sogar bis zu 95.000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die notwendige jahrelange Bewässerung. Für historische Parkanlagen gelten aufgrund des Denkmalschutzes zudem erhöhte Anforderungen. Und das sind nur einige der vielen Herausforderungen. Der anschließende Besuch beim Stadtentwässerungsbetrieb Köln zeigte dann auch einmal praktische Anwendungsmöglichkeiten.
Bei dem Thema Digitalisierung entspann sich eine muntere Diskussion über die Rolle der Kommune bei der Digitalisierung. Wobei – sind Afrika und Deutschland dahingehend vergleichbar? Schon bei der Infrastruktur zeigt sich, dass Infrastruktur in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland mit hohen finanziellen Möglichkeiten etwas ganz anderes bedeutet als Länder in Afrika, die riesige Flächen abdecken müssen, die sich als kostenintensiv erweisen. Der Ratschlag für eine erfolgreiche Digitalisierung? Schwierig, Vielleicht hilft es ja, sich Best-Practice-Beispiele in anderen Kommunen anzusehen. Im Gespräch zu bleiben ist immer eine gute Idee.
Danke an Sabine Drees (Deutscher Städtetag), Livia Pichorner (SKEW), Clarissa Kees (GIZ) und den vielen anderen für die gute Orga und Moderation.

